Das Johann-Conrad-Schlaun-Berufskolleg auf dem Weg zu Selbstorganisiertem Lernen
Ab dem Schuljahr 2002/03 hat das JCS-BK am Modellversuch Selbstständige Schule teilgenommen. Zentraler Punkt des Modellversuchs war die Unterrichtsentwicklung. Selbstständiges Lernen mit „SEGEL“ läutete das Ende des Modellversuchs 2008 ein. Wie sollte es in der Unterrichtsentwicklung für selbstständige Schulen weitergehen?
Wir waren und sind ständig bemüht, unsere Schülerinnen und Schüler auf das Berufsleben und damit auf das notwendige lebenslange Lernen vorzubereiten.
Im September 2009 haben wir mit drei Kolleginnen und Kollegen an einem Lernkongress in Herford teilgenommen.
Herr Dr. Martin Herold stellte sein Konzept des Selbst Organisierten Lernens (SOL) vor. Im Rahmen der Veranstaltung wurde der Bezug von der Wissenschaft zur Unterrichtspraxis hergestellt.
Unser Interesse war geweckt.
Wir informierten uns weiter, führten Gespräche, besuchten Schulen, die bereits nach SOL unterrichteten und entschieden uns, SOL auch am Johann-Conrad-Schlaun-Berufskolleg einzuführen.
Gegen Ende des Schuljahres 2009/10 begann für 18 Kolleginnen und Kollegen die Fortbildung durch das SOL-Institut. Herr Dr. Martin Herold übernahm diese Fortbildungsreihe und begleitet uns seitdem auf unserem Weg zu SOL.
SOL - eine kurze Einführung durch das SOL-Institut -
Lernen ist ein selbstorganisierter Prozess, den Lebewesen immer wieder aufs Neue hervorragend meistern. Das Gehirn des Menschen ist im Besonderen dafür gemacht, zu lernen. Wozu brauchen wir Schule, Hochschule oder betriebliche Weiterbildung, wenn das Gehirn „zum Lernen geboren ist?“ Die Herausforderung für Bildungseinrichtungen ist, diesen natürlichen Prozess mit den gesellschaftlich relevanten Zielen zu verbinden. Um dieses zielorientierte Lernen erfolgreich zu gestalten, sollten die Prinzipien der natürlichen Selbstorganisation des menschlichen Lernens beachtet werden. Hier kommt das SOL-Konzept ins Spiel.
Was ist SOL?
Dr. Martin Herold entwarf vor knapp 30 Jahren ein didaktisches Konzept für die Umsetzung des Selbstorgansierten Lernens im Unterricht: SOL. Bei SOL wird Lernen als natürlicher Anpassungsprozess von lebenden Systemen an ihre Umwelt verstanden. Dieser erfolgt nach den Selbstorganisationsprinzipien: Zielorientierung, Selbstähnlichkeit und Selbstoptimierung. Was erst einmal sehr abstrakt klingt, hat für das Lernen eine ganz konkrete Konsequenz: Wissen kann niemals vermittelt oder gelehrt werden. Das Gehirn des Lernenden ist stets die letzte Instanz, die entscheidet, ob und was gelernt wird – aufgrund der eben genannten Prinzipien.
SOL ist eine komplexe Konzeption, weil sie weit über eine Methodensammlung hinausgeht und sich dadurch die Frage stellt, was das eigentliche Bindeglied zwischen der Theorie und Praxis des Lernens ist. Die Antwort entsteht erst durch die Menschen, die auf Basis ihres Fachwissens und einer wertschätzenden pädagogischen Haltung nach SOL-Prinzipien arbeiten.
Eine Lehrperson, die nach SOL arbeitet, berücksichtigt folgende Prinzipien, die in Fortbildungen systematisch erarbeitet werden:
SOL-Lernsettings
• schaffen Raum für körperliche und psychische Grundbedürfnisse
• setzen auf Kooperation zwischen den Lernenden
• benötigen individuelle Verarbeitung des Gelernten
• erfolgen im Wechsel aus Er- und Verarbeitungsphasen sowie kollektiven und individuellen Phasen (Sandwich-Architektur)
• machen Lernerfolge sichtbar durch transparente Leistungsbewertung
• geben Orientierung im Lernprozess
• fördern Reflexion über das eigene und gemeinsame Lernen
• erhöhen die Wirksamkeit der Schüler durch Verantwortung für sich und andere
Menschenbild hinter SOL
Wenn man sich mit pädagogischen Themen beschäftigt, so verbergen sich dahinter, ob bewusst oder unbewusst, stets Annahmen über den Menschen in seiner Eigenschaft als lernendes Wesen. Sie geben uns Orientierung für unser Handeln, bergen aber zugleich auch die Gefahr, andere Perspektiven vorschnell als falsch anzusehen. Deswegen ist es wichtig, auch die eigene Perspektive, so sinnvoll sie auch erscheinen mag, immer als eine konstruierte zu betrachten. Das Menschenbild, das hinter SOL steckt, ist durch folgende Überzeugungen geprägt:
• Jeder Mensch ist ein einzigartiges, individuelles Wesen.
• Der Mensch ist auf das Lernen angewiesen und dazu fähig wie kein anderes Wesen.
• Der Mensch ist ein soziales Wesen, deshalb sind Liebe und Empathie die Grundlage, um sich wohlzufühlen.
• Der Mensch hat psychische Grundbedürfnisse, die sein Handeln leiten: Erleben von Eigenständigkeit, Eingebundensein und Erfolg.
• Der Mensch konstruiert sich seine Welt aufgrund seiner inneren Bilder.
• Das Lernen eines Menschen wird durch seine Vorerfahrungen geprägt.
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